Ein Ausflug ins traditionelle China und Frankreich in Shanghai

30. September 2015

Hallo zusammen,

wie versprochen berichte ich über meinen Ausflug nach Hangzhou. Hangzhou ist etwa 200 km südlich von Shanghai und ca. 5 Millionen Einwohner groß. Viele meiner Kollegen haben mir empfohlen diese Stadt zu besuchen, da sie typisch chinesisch sei.

Angereist bin ich nach Hangzhou mit dem Hochgeschwindigkeitszug. Die Reise mit den Zügen mit den Buchstaben G und D ist eine sehr angenehme Sache. Diese Züge sind meistens modern, zuverlässig und vor allem schnell. Im Vergleich zu den deutschen Zugpreisen ist eine Bahnfahrt in China auch sehr preiswert. Das günstigste Ticket nach Hangzhou kostet 7 Euro mit dem D-Zug und dauert eine Stunde. Ich nehme immer die G-Züge, da diese noch schneller sind aber dafür etwas mehr kosten. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das Erscheinungsbild der Bahnhöfe. Als ich das erste mal in einem chinesischen Bahnhof war, dachte ich in einem Flughafen zu sein. Da die Bahnhöfe eher wie Terminals aussehen und beim Betreten eines Bahnhofes muss eine Sicherheitskontrolle durchlaufen werden. Vielleicht noch ein letzter Hinweis zum Bahnfahren. Die Tickets könnt ihr online bei ctrip kaufen und dann mit dem Reisepass und einer Abholnummer am Ticketschalter abholen.

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Bahhof Hangzhou

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G-Zug

In Hangzhou angekommen habe ich mir schnell zwei Baozi geholt und mich direkt zur wichtigsten Sehenswürdigkeit, nämlich dem Westsee, aufgemacht. Der Westsee gilt in China als der schönste Stadtsee. An desen Ufern und auf seinen Inseln befinden sich so viele verschiedene Sehenswürdigkeiten, so dass ich dort gleich einen ganzen Tag verbracht habe. Zunächst bin ich etwas dem Ufer entlang spaziert. Dort gibt es viele Stege und Brücken, die über das seichte Wasser führen. Nach dem Spaziergang habe ich mich in einem der Teehäuser, mit Blick auf den See, bei einer Tasse Longqing Tee (龙青茶) erholt. Diesen Tee solltet ihr in Hangzhou unbedingt trinken, da in Hangzhou Tee eine lange Tradition hat und dieser Drachenbrunnentee eine lokale Teespezialität ist. Danach habe ich mich zum Bootssteg begeben, um auf eine der Inseln zu fahren. Zuerst bin ich auf die Insel Xiao Yingzhou gefahren. Diese Insel hat einen interessanten Grundriss. Sie ist quadratisch und in ihrer Mitte befinden sich wiederrum vier kleine quadratische Teiche. Auf dieser Insel befindet sich ein schöner chinesischer Garten mit kleinen Brücken und Pagoden.

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Westsee

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Westsee

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Insel Xiao Yingzhou

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Insel Xiao Yingzhou

Auf der Insel hatte ich dann die Auswahl zwischen verschiedenen weiteren Stationen. Denn auf der Insel gibt es mehrere Bootsstege, von denen aus Boote zu anderen Sehenswürdigkeiten auf den Ufern und den Inseln fahren. Ich habe mich für die Leifeng Pagode entschieden. Da die Pagode sehr hoch ist, hat man von dort aus auch einen sehr schönen Ausblick auf den See und die Stadt. Zur Pagode gibt es natürlich wieder ein Märchen, nämlich dass eine schöne Frau als Schlange verwandelt wurde und in dieser Pagode eingesperrt wurde. Natürlich kommt ein Held und befreit sie aus ihrer misslichen Lage. Am Abend habe ich mich in einem Restaurant am See mit Zhejiang-Spezialitäten gestärkt. Probiert dort das Dongpu Schwein.

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Leifeng Pagode

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Ausblick Leifeng Pagode

Am nächsten Tag bin ich früh aufgestanden, um gleich zum Lingyin Si Kloster zu fahren. Ich bin dorthin mit dem Bus gefahren. Im Bus habe ich dann Thomsen und Sally, zwei Niederländer mit chinesischen Wurzeln, kennengelernt. Beide machen nach dem Ende ihres Studiums eine Asienrundreise. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden, weshalb wir beschlossen gemeinsam das Kloster zu erkunden. Im Verlauf des Tages wurden wir dann noch eine Gruppe von vier Personen, da wir noch Tina trafen, eine Deutsche, die in China ihre Masterarbeit bei einem großen deutschen Automobilhersteller schreibt. In China lernt man als Ausländer ziemlich schnell andere Ausländer kennen. Meistens nach dem Muster: „Hi! Where are you from?“ Also müsst ihr euch keine Sorgen machen, wenn ihr alleine nach oder durch China reist. Sally und Thomsen konnten uns Deutschen, dann noch viele Informationen zum Kloster liefern. Zum Beispiel, dass die Türschwellen des Klosters hochgebaut wurden, damit keine bösen Geister ins Kloster gelangen. Geister haben nach chinesischem Aberglaube keine Beine, deshalb stellt eine Türschwelle für sie ein unüberwindbares Hindernis dar.

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Lingyin Si Kloster

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Lingyin Si Kloster

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Lingyin Si Kloster

Aber nicht wegen dieser „Schutzmaßnahmen“ ist das Kloster so berühmt, sondern wegen der vielen in Fels geschlagenen Buddha-Statuen und den imposanten Klostergebäuden. Teilweise wurden die Klosteranlagen auf mehrere Berge errichtet. Da wir sportlich sind, haben wir natürlich jede Anlage besucht. Der Aufstieg war sehr schweißtreibend aber bei der höchsten Anlage wurden wir durch eine schöne Aussicht mehr als entschädigt. Ich muss eingestehen, dass wir für den Abstieg dann die Seilbahn gewählt haben. Allerdings war das eine sehr gute Wahl, da wir dann noch die Teefelder unter uns sehen konnten, welche uns beim Aufstieg nicht aufgefallen sind.

Leider vergingen beide Tage in Hangzhou sehr schnell. Wenn ich resümiere, kann ich sagen, dass die Empfehlung meiner Kollegen erstens sehr gut war, und zweitens die Aussage, dass Hangzhou sehr chinesisch ist auch zutreffend ist. Hangzhou ist nicht zu überlaufen mit Ausländern wie Shanghai und typische chinesische Waren, wie Tee, Seide und Porzellan sind dort allgegenwärtig.

Am nächsten Wochenende habe ich mich auf Grund des guten Wetters für eine Entdeckungstour in der französischen Konzession entschieden. Von meiner Wohnung aus kann ich die fränzösische Konzession sehr leicht zu Fuß erreichen. Es sind ungefähr 15 Minuten zu Fuß, um die Fuxing Straße zu erreichen. Mein erstes Ziel war der Fuxing Park. Es ist interessant dort früh anzukommen, da zu dieser Zeit noch reges Treiben im Park herrscht, was typisch für Parks in China ist. Wie die Altstadt ist dies ein sehr sozialer Ort. Neben den Kartenspielern konnte ich dort aber auch Chinesen beobachten, die singen, tanzen oder mit Wasser schöne aber vergängliche Kalligrafie auf den Boden pinseln.

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Fuxing Park

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Fuxing Park

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Kalligrafie im Fuxing Park

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Orthodoxe Kirche

Nach dem Park bin ich zum Anwesen von Sun Yat-sen, dem Gründervater der chinesischen Republik, aufgebrochen, welches aber leider wegen Renovierungsarbeiten geschlossen war. Aus diesen Grund beschloss ich dann, dass Anwesen seiner Frau Song Qingling zu besuchen. Ich habe mich für eine Route entschieden, welche durch die Wukang Straße führt. Diese Straße ist gesäumt mit schicken westlichen Restaurants, Cafés und Boutiquen. Außerdem sieht man dort auch viele alte westliche Villen nicht nur im französischen aber auch im spanischen und englischen Stile. Die Residenz von Song Qingling ist sehr zu empfehlen, da man dort auch einen Eindruck bekommt, wie die chinesische Oberschicht zu dieser Zeit gelebt hat. In diesen mit Möbeln und den Alltagsgegenständen von Frau Song ausgestatteten Räumen scheint nämlich die Zeit stillzustehen. Bei dieser Gelegenheit kann ich auch den Besuch des Open Shikumen House in Xintandi empfehlen. Dort erhält ihr einen Einblick, wie die Mittelschicht im vorkommunistischen China gelebt hat.

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Villa im englischen Stil

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Anwesen von Frau Song Qingling

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Anwesen von Frau Song Qingling

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Fassade mit Bambus eingerüstet

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Küche im Open Shikumen House

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Schlafzimmer im Open Shikumenhouse

Nach zwei Blogs über Sightseeing werde ich das nächste mal etwas über das Arbeitsleben in Shanghai berichten.

Zai jain!