November in Shanghai – Tempelbesichtigungen bei sommerlichen Temperaturen!

11. November 2016

Hallo zusammen,

ich befinde mich nun schon in meiner fünften Arbeitswoche hier in Shanghai und nächste Woche ist schon Halbzeit – erschreckend wie schnell die Zeit vergeht.

In den letzten Wochen habe ich kaum Zeit gefunden für den Blog zu schreiben, da es im PwC Büro genug Aufgaben für mich gab. Ich habe z.B. einer chinesischen Managerin bei der Übersetzung eines deutschen Jahresabschlusses in Englisch geholfen und durfte an einem Meeting der European Business Group, also der PwC Vertretungen verschiedener europäischer Länder hier in Shanghai, teilnehmen.

Da das Wetter an den Wochenenden zu schön war, um die Zeit am Computer zu verbringen, habe ich es leider auch dort nicht geschafft für den Blog zu schreiben – dafür kann ich allerdings nun umso mehr Eindrücke und Erlebnisse mit euch teilen.

KTV – das chinesische Karaoke

Besonders am letzten Wochenende hat sich Shanghai mit 25 Grad nochmal von der besten Seite gezeigt – und das im November! Ich startete das Wochenende am Freitag Abend mit Freunden beim ktv – dem chinesischen Karaoke. Das müsst ihr euch so vorstellen: man mietet sich einen Raum mit Sofas, Karaokemaschine, Fernseher und Snacks und singt fleißig drauflos. Immer wieder kommen Personen aus anderen Räumen für ein oder zwei Songs dazu und verschwinden dann wieder. Ich wusste vorher ehrlich gesagt nicht, was mich da genau erwarten würde, habe mich allerdings einfach darauf eingelassen. Als meine Freunde den Raum für sechs Stunden buchten, da der Preis der gleiche wie für zwei Stunden war, dachte ich mir noch, dass man so lange ohnehin nicht singen kann und wir bestimmt nicht so lange bleiben würden – der müde Blick des Hotelmitarbeiters an der Rezeption, als ich um knapp 6 Uhr morgens wieder zurück ins Hotel kam, zeigte mir allerdings, dass ich damit wohl völlig falsch lag. Also solltet ihr mal zum ktv eingeladen werden, stellt euch auf einen langen, aber durchaus sehr lustigen Abend ein!

Der Longhua Tempel

Auch wenn ich am Samstag durch das ktv etwas müde und heiser war, wollte ich natürlich trotzdem das gute Wetter nutzen und besichtigte den Longhua Tempel. Dieser Tempel liegt relativ zentral in Shanghai und ist wirklich sehr spannend. Ich war an diesem Samstag die einzige nicht chinesische Touristin und konnte so die authentische Atmosphäre genießen. Überall riecht es nach Räucherstäbchen, die dort angezündet werden und im Vergleich zu der Innenstadt ist es sehr ruhig. Im angrenzenden Park genossen auch viele Chinesen dieses tolle Wetter und malten, tanzten, machten Tai Chi oder spielten Brettspiele. Hier sehe ich sehr häufig, dass Menschen zusammen im Park Zeit verbringen – morgens laufe ich z.B. auf dem Weg zur Arbeit immer an einer Gruppe Senioren vorbei, die zusammen Tai Chi machen, und in einem kleinen Park in der Nähe vom Hotel trifft sich immer eine andere Gruppe Senioren zum Zumba.

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Der Longhua Tempel in Shanghai

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Im angrenzenden Park ist die Pagode des Longhua Tempels ein häufiges Motiv

Ausflug nach Qibao

Am Sonntag fuhr ich dann nach Qibao, ein kleiner Vorort, der noch sehr gut mit der Metro zu erreichen ist. Ich war definitiv nicht die Einzige, die diese Idee hatte, denn so viele Chinesen an einem Ort habe ich bisher nur bei der Rushhour morgens in der Metro gesehen. Trotzdem war auch dies ein toller Ausflug, da die Altstadtstraßen von Qibao sehr schön sind und es auch hier einen Tempel gibt, der allerdings ganz anders und viel farbenfroher als der Longhua Tempel ist. Aber genau wie beim Longhua Tempel hat mich auch hier die Ruhe beeindruckt.

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Ein Sonntagnachmittag in Qibao

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Die schöne Altstadt von Qibao

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Die Qibao Tempel Pagode

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Der Qibao Tempel

In der Stadt ist es eindeutig weniger ruhig, obwohl die Chinesen selbst unglaublich entspannt wirken. Auf dem Weg zur Arbeit zum Beispiel beeilen sich zwar nahezu alle Chinesen um schnell auf die nächste Rolltreppe zu kommen, sobald sie diese allerdings erreicht haben, bleiben sie ruhig stehen, egal wie lang oder langsam diese ist. Sollte sich ein Chinese doch einmal dazu entscheiden die anderen Menschen auf der Rolltreppe zu überholen, bleibt er meist, nach fleißigem Zick-Zack Laufen um alle Menschen, die häufig völlig verteilt auf der Rolltreppe stehen, auf einer der letzten zehn Stufen stehen und wartet entspannt bis die Rolltreppe ihr Ziel erreicht. Häufig sind es dann nur die nicht chinesischen Personen, die morgens gestresst die Rolltreppe hoch eilen und hinter dem stehen gebliebenen Chinesen einen Stau verursachen. Die gleiche Entspanntheit erkennt man besonders auch in der Metro zur Rush Hour. Während ich verkrampft meine Tasche festhalte, damit sie nicht beim nächsten Schwall heraus- oder hereinströmender Menschen versehentlich mitgezogen wird, schauen die Chinesen um mich herum seelenruhig die neueste Folge ihrer Lieblingsserie, spielen ein Spiel wie Candy Crush nur mit Katzen oder schlafen. Am beeindruckensten finde ich bisher allerdins die Fähigkeit der meisten Chinesen scheinbar überall und immer schlafen zu können – ob auf einer 10 minütigen Metro- oder Zugfahrt, im Büro in der Mittagspause oder mit dem Kopf auf dem Tisch im Café. Ich hoffe, dass in den verbleibenden 1 ½ Monaten ein wenig dieser Entspanntheit auch auf mich abfärben wird.

Viele Grüße nach Deutschland!

Rabea