Why would you go to Brussels? Here´s why!

13. Januar 2017

„Why did you choose Brussels?“ … Wenn ich an meine ersten Tage hier in Brüssel zurückdenke, dann ist das sicher die Frage, die mir am öftesten gestellt wurde. Und wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen, I didn’t ;). Es hat sich nach Problemen mit dem Visum für meine eigentliche Destination ergeben, dass mir das Stairway-Team Brüssel als Aternative angeboten hat. Das Leben ist eben wie eine Schachtel Pralinen, wusste schon Forest Gump. Man weiß nie was man bekommt, aber ich wollte es unbedingt ausprobieren!

Dann ging alles ganz schnell. Innerhalb von nicht mal zwei Wochen hatte ich meinen neuen Vertrag, eine Adresse, Flugtickets und vier Ziffern zum Safe mit meinen Schlüsseln. Und Pralinen sollte ich in Belgien jede Menge finden.

Am 31.Dezember ging es los. Vom Flughafen Zaventem im Nordosten der Stadt bin ich in den Bus zu meiner Wohnung gestiegen. Die Fahrt hat mich schnell mit einer der Hauptcharakteristika Brüssels vertraut gemacht: Brüssel hat den dichtesten Straßenverkehr Europas und sicherlich auch einen der anspruchsvollsten. Sei es als Autofahrer oder Passagier im öffentlichen Nahverkehr. Nach 25 Minuten stand ich also glücklich aber mit jeder Menge blauen Flecken von der rabiaten Busfahrt vor meinem neuen Zuhause. PwC stellt euch eine eigene Wohnung im Viertel Evere. Sie liegt nur wenige Kilometer vom Office entfernt und ist mit dem Bus auch super an das Stadtzentrum angebunden.

Mitbringen braucht ihr außer Kleidung absolut nichts. Hier ist an alles gedacht worden. Die Wohnung ist möbliert, besitzt eine voll ausgestattete Küche mit Spülmaschine, es gibt ein Bügelbrett, Bügeleisen, Handtücher und – daran habe ich mich bis heute noch nicht gewöhnt – sie wird regelmäßig von einer Reinigungskraft in Schuss gebracht!

Am selben Tag habe ich mich sofort auf die Suche nach einem Supermarkt gemacht, um noch vor Ladenschluss meinen Kühlschrank füllen zu können. Die größten Ketten hier sind Coloryt, Delaize und Carrefour und sie haben alle eines gemeinsam: Lebensmittel und Drogeriewaren in Belgien sind teuer. Ihr dürft grob das Doppelte bis Dreifache des deutschen Preises erwarten. Dafür haben viele von ihnen auch sonntags offen. Wenn man etwas weiter läuft finden sich aber auch bekannte Marken wie Aldi und Lidl mit etwas billigeren Preisen. Zurück in der Wohnung blieb gerade noch Zeit, den Koffer auszupacken, bevor es zum Jahreswechsel in die Innenstadt ging. Die Fahrt zum Gare Centrale dauert nur 25 Minuten. Einzeltickets kann man direkt beim Busfahrer kaufen. Es lohnt sich aber, sich an einer der großen Stationen eine sogenannte Mobib Karte ausstellen zu lassen. Damit spart ihr fast 50% des Preises. Sie kostet 5€ und ist wiederaufladbar. Wenn ihr sie personalisieren wollt, nehmt ein Passfoto mit, das braucht ihr auch bei derRegistrierung im Rathaus. Vom Bahnhof erreicht man innerhalb weniger Minuten zu Fuß das Stadtzentrum. An Wochenenden könnt ihr hier einfach dem verführerischen Duft der belgischen Waffeln bis zum Grand Place und Manneken Pis folgen. Die vielen kleinen Gassen sind voll mit Waffelständen, Bars, Pommesbuden und Restaurants. Hier findet man immer einen Grund, sich etwas zu gönnen!

Mit dem Neujahrsfeuerwerk am Grand Place begannen dann meine drei Monate im Audit bei Pwc in Brüssel. Die ersten drei Tage im Office bestanden aus einer allgemeinen Einführungsveranstaltung und zwei Tagen Audit Crash Kurs für alle Trainees. Hier durfte ich mich mit dem belgischen Kontenrahmen, dem Rekeningstelsel, der azerty – Tastatur des Laptops und den wichtigsten Prüfungsroutinen vertraut machen. Da alle neuen Mitarbeiter aus ganz Belgien zur Einführung nach Brüssel eingeladen werden, konnte ich gleich in den ersten Tagen Kontakte mit Trainees aus ganz Belgien knüpfen.

Alle Workshops und Präsentationen werden auf Englisch gehalten. Auch die Dokumentation der Prüfung findet vollständig in Englisch statt. Untereinander diskutieren die Kollegen zwar am liebsten in ihrer eigenen Sprache, sie sind es aber durch die sprachliche Teilung des Landes gewohnt, ständig zwischen drei Sprachen zu wechseln und sprechen alle ausgezeichnetes Englisch. Das habe ich besonders am Anfangen sehr genossen, da ich weder Französisch noch Flämisch spreche. Mittlerweile habe ich aber Gefallen an meinem „permanenten Sprachkurs“ gefunden und verstehe immer mehr der Flüche wenn Excel einmal wieder abstürzt. Bei meinem ersten Mandanten war dann aber ich es, die für alle übersetzen durfte. Denn ich wurde bei einem deutschen Autobauer eingesetzt und durfte sofort voll mitarbeiten. Die Woche dort verging wie im Flug. Ich hatte das Glück, dass mich mein Senior jeden Tag schon um 17:00 nach Hause geschickt hat, damit ich noch etwas von der Stadt erkunden kann. Die echte „busy“ wie die Kollegen hier die busy season mit einer Mischung aus Begeisterung und Respekt nennen, erlebte ich ab der dritten Woche. Ausgestattet mit einem schicken Firmenwagen fuhr ich vor Sonnenaufgang ins Büro, betrachtete den Sonnenuntergang gemeinsam mit ihnen durch die Glasscheibe unseres Arbeitsraumes und fuhr im Dunkeln wieder zu meiner Wohnung. Da das Team aber super nett und hilfsbereit ist und auch am stressigsten Tag noch Zeit für Witzeleien bleibt, kamen mir die Tage wesentlich kürzer vor.

Die Wochenenden geniesse ich dafür umso mehr. Den kalten Januar habe ich vollständig Brüssel gewidmet und die Stadt erkundet. Sie bietet auf kleinem Raum unglaublich viele Museen, Parks, Ausstellungen und Veranstaltungen.

Natürlich durfte dabei ein Besuch beim kleinsten Wahrzeichen der Stadt nicht fehlen. Dabei habe ich durch Zufall entdeckt, dass Manneken beinahe jedes Wochenende zu Ehren einer bestimmten Gruppe in deren Tracht gekleidet wird. Seitdem ist es zu einem Ritual – und einer Ausrede für eine Waffel mit reichlich Obst, karemelisiertem Zucker und Schokolade – geworden, jede Woche einmal nach dem kleinen Mann zu sehen und eine seiner über 800 Verkleidung zu bewundern.

Um den Ursprung des Brunnens mit dem pinkelnden Männchen ranken sich viele Geschichten. Einige sagen, er soll mit Hilfe seines gezielten Wasserstrahls die brennende Lunte einer für den Grand Place bestimmten Bombe gelöscht haben. Meine Lieblingslegende ist jedoch folgende: Bei dem Jungen handelt es sich um Herzog Gottfried III von Löwen, als dieser zwei Jahre alt war. Nach dem Tod seines Vaters war er Herrführer geworden. Doch der Junge war zu klein, um eine Schlacht anzuführen. Daher setzten ihn seine Truppen in einem Korb und hängten diesen an einen Baum nahe der Stadtmauer. Als sich die Schlacht gegen sie wendete und die feindlichen Truppen bis unter diesen Baum in Richtung Stadtmauer vorrückten, fasste sich der Junge ein Herz und pinkelte dem Gegner auf den Kopf. Das beflügelte die Moral seiner Männer, die schließlich die Stadt verteidigen konnten. Aber auch ansonsten is der kleine Mann ein Allround-Talent. Er trägt am Welt-Aids-Tag ein Kondom und pinkelt an besonderen Festtagen Bier.

Damit sind wir schon beim nächsten Highlight der Stadt. Das belgische Bier. Da die Belgier kein strenges Reinheitsgebot haben, hat sich eine unglaubliche Vielfalt an verschiedenen Geschmacksrichtungen entwickelt. Vom traditionellen Trappistenbier, das innerhalb oder in unmittelbarer Nähe der Mauern eines Trappistenklosters unter Aufsicht von Trappisten gebraut werden muss und dessen Absatz immer zu einem Teil sozialen Zwecken zugutekommt über das legendäre Delirium bis zu Sorten mit Kirschgeschmack ist für jeden etwas dabei. All das sind nur die ersten Eindrücke aus dieser multikulturellen Stadt, die nicht einmal drei Wochen gebraucht hat, um mich von sich zu überzeugen. Von weiteren Details und versteckten Highlights abseits der Touristenpfade berichte ich schon bald in meinem nächsten Eintrag.

Vele Groeten

Kathrin