Zhujiajiao und das Laternenfest in China

13. February 2017

Hallo alle zusammen,

seit meinem letzten Blog-Eintrag habe ich hier in Shanghai so einiges erlebt – die Stadt hat einfach so unglaublich viel Spannendes und Aufregendes zu bieten, dass kein Tag dem anderen gleicht!

Vom 27.01.-02.02.2017 war Chinese New Year – auch bekannt als Spring Festival – der wichtigste chinesische Feiertag und für viele die einzige Zeit im Jahr, an der sie frei haben und ihre Familie sehen können. Dementsprechend voll sind Züge, Busse und Flugzeuge. Meine chinesischen Kollegen bei der Arbeit sagten zu mir noch „Never travel on Chinese New Year“.  2017 ist das Jahr des Feuerhahns, in welchem man hart und geduldig arbeiten muss um seine Ziele zu erreichen. CNY wird in jeder Region unterschiedlich gefeiert. Während in anderen Großstädten Feuerwerke, Neujahrsparaden oder Löwentänze stattgefunden haben, war Shanghai eher ruhig. Die meisten Chinesen habe die Stadt verlassen und viele Restaurants hatten die ganze Woche geschlossen. Feuerwerke jeglicher Art waren in Shanghai verboten. In dieser Sicht unterschied sich hier Chinese New Year von unserem Silvester also nicht.

Die Zeit um CNY hat eine klare zeitliche Reihenfolge:

Eine Woche vor Neujahr fängt man an das Haus zu putzen und kauft für Familie und Freunde rote Neujahrsgeschenke. An New Year’s Eve wird das Haus dann mit roten Textzeichen und Schnittmuster geschmückt. Der Abend wird im Kreise der Familie mit reichlich Essen verbracht. Der erste Tag im neuen Jahr, der Chinese New Year’s Day, wird ebenfalls noch im Kreise der Familie verbracht, bevor man dann ab dem zweiten Tag Ausflüge macht oder Freunde und weitere Familienangehörige besucht. Ab diesem Tag sind Sehenswürdigkeiten überlaufen mit chinesischen Touristen. In Shanghai war das deutlich zu sehen. Während auf den Straßen kaum Menschen zu sehen waren, waren die Hauptattraktionen wie der Yu Garten und der Bund überfüllt. Damals noch unwissend, habe ich mich genau an solch einem Tag auf den Weg in eine kleine Wasserstadt namens Zhujiajiao gemacht. Am Ufer des Dianshan-Sees gilt es aufgrund der kleinen Kanäle, der Gondelfahrer und der Atmosphäre als Shanghai’s Venedig. Geprägt von vielen kleinen Gassen, Lädchen, Parks, Essensständen und Brücken, ist es eine zauberhafte, sehr authentische und gut erhaltene alte Wasserstadt. Ich hatte super Wetter und konnte so viele tolle Bilder machen. Erinnert ihr Euch noch an die Worte von meinen Kollegen? Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Menschen auf einem Fleck gesehen!

Chinese New Year endet am 15. Tag, dieses Jahr somit am 11.02.2017 mit dem Laternenfest. Man feiert an diesem Tag durch das Anschauen von Laternenausstellungen den Frühlingsanfang. Zu einer der wichtigsten und populärsten Tätigkeiten des Laternenfesttages ist das Laternenrätselraten.  Ich habe mir mit ein paar Freunden die Laternenausstellung im Yu Garten angesehen. Doch seht selbst:

Arbeiten und Leben in Shanghai

Aufgrund dessen, dass während Chinese New Year nicht gearbeitet wurde, waren der Sonntag davor und der Samstag danach offizielle Arbeitstage. Ich habe im ersten Beitrag schon berichtet, wie mein Arbeitsalltag in China hier aussieht. Die Aufgabenvielfalt hat sich deutlich erweitert und ich kann so sehr viel aus der Zeit hier mitnehmen.  So helfe ich momentan beispielsweise mit, einen Fachartikel für den China Compass zu verfassen. Der China Compass ist ein Fachmagazin von PwC, in dem Experten von PwC China viermal im Jahr umfassend und kompakt über alle wichtigen Themen der Wirtschaft und Politik in China informieren. Es ist immer noch super spannend und an jedem Tag kommt eine neue Herausforderung auf mich zu.

Zum Büro nehme ich an regnerischen Tagen die Metro, die in etwa 25 Minuten benötigt. Ansonsten laufe ich morgens zur Arbeit. Das dauert nur knapp 10 Minuten länger und ich mag die Bewegung morgens durch die French Consession. Mein 2-Zimmer Apartment liegt sehr zentral im Süden von Shanghai und ist mit Küche (Kühl- und Gefrierschrank, Herd, Backofen, Mikrowelle und Reiskocher), Waschmaschine, Bügelbrett, Bügeleisen und einem wahnsinnig bequemen Queensize Bett voll ausgestattet. Zweimal die Woche wird das Apartment sauber gemacht, das Bett neu bezogen und die Handtücher gewechselt. Man kann die Wäsche auch vom Waschservice waschen lassen. Das habe ich bisher jedoch noch nicht ausprobiert. Nur wenige Meter entfernt befinden sich ein großer Supermarkt, die Bushaltestelle und die Metrostation. Es ist üblich, dass eine Metrostation in einer Mall mit Restaurants, Einkaufsläden und vielen weiteren Geschäften integriert ist. So auch hier. Es ist alles in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen.

Im Normalfall zeichnet Pudong, mit dem World Financial Center, dem Jin Mao Tower, dem Pearl Tower, dem Shanghai Tower und viele weiteren Wolkenkratzer Shanghai auf Bildern und Postkarten ab. Postkarten sind sowieso ein witziges Thema hier. Beim Kauf muss man darauf achten, dass der Shanghai Tower überhaupt abgebildet wird, bzw. nicht noch im Bau ist. Meine Postkarten, die ich zu Weihnachten am 12.12.2016 verschickt habe, kamen am 04.02.2017 dann endlich am Zielort an.

Doch Shanghai hat noch viel mehr zu bieten. Wenn es nicht regnet geht mein Fußweg ins Büro, wie bereits gesagt, durch die French Consession. Eine Art-Déco-Oase mitten in Shanghai, die mit ihren kleinen Gassen, von Platanen gesäumten Alleen, Kaffees und Boutiquen eher an Paris erinnert. Direkt bei unserer Unterkunft liegt auch das Künstlerviertel Tianzifang. Hier findet man in kleinen verwinkelten Gassen viele kleine Geschäfte, lokale Speisen, Galerien und Bars. Ich gehe besonders gerne auch in die Altstadt. Früher wurde das Viertel Chinesenstadt genannt – es scheint, als wäre mitten in China Chinatown erbaut worden. Die Häuser, die in diesem Viertel im alten Stil neu aufgebaut wurden, das quirlige Treiben in kleinen Einkaufsläden, die typischen kleinen chinesischen Essenstände, die große Zick-Zack-Brücke, das älteste Teehaus Chinas Hu Xin Ting-Teehaus und im Hintergrund die Wolkenkratzer von Pudong, machen einem hier besonders deutlich, wie kontrastreich Shanghai doch ist. Ebenso fällt immer wieder auf, wie viele Parks es in Shanghai doch gibt. Auch in der Altstadt, in mitten des Treibens liegt der Yu-Garten – der Garten der Zufriedenheit – eine bezaubernde Oase der Ruhe. In Parks, wie dem Lu-Xun-Park oder dem Fuxin-Park treffen sich Chinesen um Taijiquan (Schattenboxen) oder Mulanquan (Gymnastik mit Schwert oder Fächer) zu üben, Brettspiele zu spielen, zum Tanzen, zum Singen und vielem mehr.

Wie ihr sehr, Shanghai hat so unglaublich viel zu bieten und ich kann jedem von Euch nur raten diese Stadt einmal zu besuchen. Am Besten gleich mit einem Auslandspraktikum bei PwC Shanghai verbinden.

Ich kann es Euch wirklich nur nochmal empfehlen – nutzt die Chance und bewerbt Euch!

Liebe Grüße

Annika