Der ganz normale Prüfungswahnsinn

15. März 2017

Hallo ihr Lieben! Nun habe ich bereits den Grossteil meines Praktikums hier in Brüssel absolviert. Und ich bin mir sicher, ihr seid neugierig, wie sich der ganz normale Arbeitsalltag hier gestaltet. Welche Aufgaben bekommt ihr übertragen? Was erwarten die Kollegen von euch? Wie sind “die Belgier” eigentlich so? Was sind die Unterschiede zum Prüfungsalltag in Deutschland?

Daher will ich euch heute einen Einblick geben. Falls noch Fragen offen bleiben – schreibt mir einfach!

Am besten beginne ich vom Anfang an. Meine erste Arbeitswoche habe ich zusammen mit einem Dutzend anderen Praktikanten im Headoffice in Brüssel verbracht. Dort haben wir drei Tage lang verschiedene Prüfungszenarien durchgespielt und uns mit Aura – dem PwC Prüfungstool – vertraut gemacht.

 

Ungewohnt war für mich, dass wirklich die gesamte Prüfung in Englisch dokumentiert wird. Ich dachte zunächst, das sei nur in Belgien so, da man immer mit der Sprachbarriere zwischen Wallonen und Flamen zu tun hat. Doch Kollegen aus Frankreich und Griechenland haben mir versichert, dass wir Deutschen die odd-ones-out sind. Der Rest der Welt scheint komplett in Englisch zu dokumentieren.

Als foreigner habe ich das natürlich sehr zu schätzen gelernt. Und ich finde, man bemerkt auch, dass hier wesentlich mehr Mitarbeiter im Rahmen eines Secondments in den Teams sind. Viele von ihnen bleiben dann und tragen so zu einer sehr vielfältigen PwC-Belgium-Gemeinschaft bei. Das geniesse ich.

Wo wir schon bei Mobilität sind: Da macht den Belgiern niemand etwas vor. In Deutschland habe ich während der Arbeit in der Wirtschaftsprüfung oft in Hotels übernachtet und war über die Hälfte meiner Zeit mit dem klassischen Prüferkoffer unterwegs. Das kommt in Belgien selten vor. Dadurch, dass das Land realtiv klein ist und jeder Mitarbeiter einen Firmenwagen besitzt, fährt man jeden morgen zum Client und abends auch wieder zurück. Selbst, wenn man so drei oder vier Stunden pro Tag auf der Strasse verbringt. Diese Zeit würde aber niemand als Arbeitszeit ansehen. Hier ist das normal.

Auch ist es keine Besonderheit, mal eben für einen Tag in Amsterdam bei der Prüfung auszuhelfen. Viele meiner Teamkollegen wohnen in Antwerpen oder Ghent und haben doch den Grossteil ihrer Klienten in Brüssel.

Was die Erwartungen an euch als Praktikant/in betrifft, könnt ihr sehr entspannt sein. In Belgien ist es nicht üblich, so viele Praktika zu absolvieren wie wir es in Deutschland neben der Uni tun. Daher bin ich überall auf Begeisterung gestossen, wenn ein VLOOKUP in Excel kein Problem für mich war und mich niemand zu einem Gespräch mit dem Kunden begleiten musste.

Was den Kollegen wichtig ist, ist eine präzise Dokumentation. Hier hat es mir viel geholfen; die Person, die mein EGA reviewen sollte einfach zu fragen, wie sie sich manche Dinge vorstellt. Dabei bin ich immer auf offene Ohren gestossen und habe oft hilfreiche Tipps bekommen.

Das ist generell mein Tipp an euch: Stellt jede Frage, die euch in den Sinn kommt! Und fragt sofort, wenn ihr etwas nicht versteht. Ein Manager vergisst nach vielen Jahren Berufserfahrung, dass du als Nicht-Belgier bei der Frage ob du schon einmal in einem pp&e-EGA gearbeitet hast nur deswegen verwirrt schaust weil du nicht weisst, wofür die Abkürzung steht.

Wichtig ist es auch, klar nein zu sagen, wenn ihr mal keine Kapazität für ein weiteres EGA habt. Klar will man kurz vor der Deadline dem Team so viel wie möglich helfen und zeigen, dass sie sich auf dich verlassen können. Und wie ihr in meinen vorherigen Blogs lessen könnt, habe ich auch einige Male unser Zimmer erst verlassen, als die Strassen in Brüssel frei von Verkehr waren… 😉 Ich muss zugeben, es fühlte sich anfangs komisch an, an ruhigeren Tagen um 18 Uhr aufzustehen und zu gehen, obwohl man weiss, dass das Team noch einige Stunden bleiben wird. Doch keiner meiner Manager hat das je für anstössig befunden. Im Gegenteil – oft vergessen sie einfach im Stress dich heimzuschicken und sind dann froh wenn sie wissen, du kümmerst dich selbst darum.

Räumt man diese Verständigungsprobleme von Anfang an aus dem Weg und kommuniziert klar, dann macht es viel Spass hier zu arbeiten.

Wenn ich heute ein Resüme ziehe, dann kann ich sagen, dass ich in meiner Zeit in Brüssel gewachsen bin. Persönlich und fachlich. Und das ist genau, was ich mir von Stairway erhofft habe.