„你好“ – Ni hao aus Shanghai!

24. April 2017

Hallo ihr Lieben!

Es tut mir leid, dass ich mich jetzt erst melde, nachdem ich schon fast 3 Monate in Shanghai bin. Es gibt hier einfach immer so viel zu erleben, dass keine Zeit bleibt sich mal hinzusetzen und etwas zu berichten, auch wenn so viel zu erzählen wäre!

Mein Praktikum hier in China hat im Februar angefangen und ging insgesamt (leider nur) drei Monate. Das heißt meine Zeit hier ist schon fast vorbei und ich habe natürlich schon wahnsinnig viel erlebt. Am besten fange ich einfach mal vorne an 🙂

Als ich in Shanghai ankam hatte ich das Glück, dass Annika noch da war. Sie war Praktikantin im Bereich Assurance hier in Shanghai und ich in der Abteilung Tax. Wir waren also beide Teil der German Business Group und sie konnte mir beim Start noch ein paar Tipps geben. Insgesamt sind hier vor Ort momentan fünf Kollegen in Shanghai und einer in Peking. Das Gute an der German Business Group ist, dass man wirklich immer einen Ansprechpartner hat, sowohl wenn es um Arbeitsaufgaben geht als auch um die eigene berufliche Zukunft oder auch um Tipps zum Reisen. Schön fande ich, dass wir auch Team-Events hatten. Wir waren zum Beispiel alle zusammen im Escape Room und HotPot essen. 🙂

Ich wohne hier in Shanghai in einem Apartment-Hotel, mit Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad und Küche. Es ist also genug Platz, falls mal jemand zu Besuch kommt. Die Lage ist auch prima. Man kann entweder zwei Stationen mit der Metro fahren, das Fahrrad nehmen oder auch zur Arbeit laufen. (Kleiner Tipp: Die Metro würde ich zur Rushhour auf jeden Fall versuchen zu vermeiden, wenn man nicht grade erleben möchte wie eine Ölsardine in die Bahn gepresst zu werden.)

Die ersten Wochen habe ich vor allem damit verbracht mir Shanghai anzusehen. Die Stadt ist wirklich unglaublich vielfältig. Am besten gefallen mir die vielen schönen kleinen Viertel in denen man sich gerne verlaufen kann (ja, ich stand schon in irgendwelchen offenen Wohnzimmern und konnte den Weg aus dem „Labyrinth“ nicht mehr raus finden). Vor allem bei schönem Wetter, wenn alle ihre Wäsche waschen und auf den Straßen aufhängen, hat es einen besonderen Flair.

Außerdem gibt es in diesen Stadtvierteln das preiswerteste und beste Essen! Gerade kulinarisch hat China viel zu bieten. Ich glaube, ich habe sogar nach 3 Monaten noch nicht geschafft alles zu probieren, was ich gerne probiert hätte. Die Auswahl ist einfach zu groß! Meistens und auch am aller liebsten esse ich in den kleinen „Suppenküchen“ am Straßenrand. Anfangs war es jedoch etwas schwer mit dem Bestellen, weil die meisten Chinesen wirklich kein Englisch sprechen, und mit „kein Englisch“ mein ich wirklich kein Englisch 😀 Auch sind die Speisekarten oft nur auf Chinesisch und haben keine Bilder, was es nicht grade leichter macht. Irgendwann hat man aber den Dreh raus. Und auch wenn es nicht immer das war, was ich vorhatte zu bestellen, habe ich bis jetzt immer etwas Leckeres bekommen. Sehr süß ist auch, dass sie dich wieder erkennen, wenn man zwei mal da war und einem schon zuwinken, wenn man an der Tür vorbei spaziert. 🙂 Grundsätzlich kann ich sagen, dass die Chinesen ein sehr herzliches Volk sind. Zwar sind sie im ersten Moment oft skeptisch, weil sie mit Europäern nicht so vertraut sind, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht wird einem immer und überall geholfen. 😉

Von Shanghai aus habe ich auch ein paar Wasserstädte und Viertel weiter außerhalb besucht, um ab und zu den Wolkenkratzern und Menschenmassen zu „entkommen“. Das mit den Menschenmassen klappt jedoch nicht immer, da die Chinesen auch sehr reiselustig sind und es deshalb nur wenige Orte gibt, die am Wochenende nicht überlaufen sind. Man gewöhnt sich aber daran. 😉

Auf den Bildern seht ihr Suzhou, eine Wasserstadt, die nicht weit von Shanghai entfernt ist.

Ende Februar bin ich spontan nach Peking gefahren. Es ist super, dass man seine Urlaubstage wirklich sehr flexibel nutzen kann und ich so ein Wochenende mit perfektem Wetter wählen konnte. Peking hat vor allem kulturell einiges zu bieten, wie zum Beispiel die verbotene Stadt, unzählige Tempel und Museen und natürlich die chinesische Mauer. Da mir gesagt wurde, dass ziemlich viele Touristen am Wochenende auf der Mauer unterwegs sind, bin ich so früh wie möglich morgens losgefahren. Das frühe Aufstehen hat sich auch auf jeden Fall gelohnt, ich war nämlich die ersten 3 Stunden quasi alleine auf der Mauer unterwegs, hatte das beste Wetter und einen atemberaubenden Ausblick. Ich bin in den letzten Jahren schon viel gereist und muss sagen, dass die Chinesische Mauer eines der besten Dinge war, die ich bis jetzt gesehen habe!

Mitte März bin ich dann nach Hongkong geflogen. Hongkong hat mir auch super gefallen. Vor allem die Landschaft um die Stadt herum hat viel zu bieten. Es gibt sehr viele Berge zum Wandern und auch einige Strände. Im März war zwar noch kein Badewetter, aber am Strand war ich natürlich trotzdem. Einen Trip nach Hongkong würde ich jedem von Shanghai aus empfehlen. Ihr müsst nur aufpassen, dass ihr auch ein Double-Entry-Visum habt, sonst dürft ihr nicht mehr nach China zurück. Das Visum für Hongkong bekommt man als Deutscher umsonst bei der Ankunft.

Anfang April waren in China noch zwei Feiertage, die ich mit meinen restlichen Urlaubstagen vorbinden konnte und so eine ganze Woche frei hatte, die ich zum Reisen genutzt habe. Diesmal ging es jedoch nicht nochmal in eine Metropole, sondern mehr in ländliche Gegenden und Nationalparks (ich weiß nicht ob man wirklich „ländlich“ sagen kann, da auch Guilin fast 5 Millionen Einwohner hat, in China aber doch eher als „Kleinstadt“ zu sehen ist).

Zuerst bin ich von Shanghai aus nach Zhangjiajie geflogen. Hier befindet sich der Nationalpark mit den „Avatar Mountains“. Die Landschaft ist wirklich einmalig. Am zweiten Tag an dem ich wandern war hatte ich „leider“ vorerst Regenwetter. Am Ende stellte sich aber raus, dass es perfekt war, da nachmittags der Himmel aufriss und die Wolken zwischen den Bergen hingen. Gegen späten Nachmittag kam sogar noch die Sonne raus. 🙂

Nach 3 Tagen ging es dann weiter mit dem Nachtzug nach Guilin. Züge kann ich in China eigentlich nur empfehlen, zumindest wenn man ein Schlafabteil hat (Nein, 11 Stunden Nachtzug nach Peking auf einem normalen Sitz kann ich nicht empfehlen, war aber auch eine Erfahrung wert 😀 ). Zwar hat man nicht viel Platz und es sind viele Chinesen unterwegs, aber bis jetzt habe ich immer interessante Bekanntschaften gemacht und auch wenn deine „Schlafplatznachbarn“ kein Englisch sprechen, kommt man mit Google Translater ins Gespräch.

Von Guilin aus ging es dann einen Tag lang mit dem Boot über den Li River. Die Landschaft hier ist übrigens auf dem 20 Yuan Schein zusehen. Außerdem kann man von Guilin zu Reisterrassen fahren, die 2 Stunden nördlich liegen. Da Guilin eher im Süden von China liegt war es auch schon ziemlich warm und schwül. Bei ca. 26 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 100%, kommt es einem fast tropisch vor. Guilin selber hat viele schöne Märkte und ist „chinesischer“ als Shanghai, was ich persönlich sehr interessant fand. Nach 3 weiteren Tagen bin ich dann wieder zurück nach Shanghai geflogen.

Chinas Natur ist wirklich sehr vielseitig und ich glaube man könnte hier ein komplettes Jahr nur reisen und hätte trotzdem nicht alle schönen Orte gesehen.

Nachdem ich noch Besuch von einer Freundin hatte, war auch nur noch ein Wochenende übrig um alles zu erledigen, was noch auf der Liste stand. Wenn man ankommt denkt man, dass einem so viel Zeit bleibt alles zu sehen, aber das ist ein Trugschluss. Die Zeit vergeht einfach wie im Fluge. Kleiner Tipp hier: fangt so früh wie möglich an die Liste der Dinge, die ihr sehen wollt „abzuarbeiten“. Ich habe zwar wirklich viel geschafft, aber leider nicht alles.

Die letzten Tage habe ich dafür genutzt über die Märkte zu schlendern, Mitbringsel zu kaufen und nochmal Shanghai zu genießen. Mittlerweile ist es auch schon Sommer geworden, mit Temperaturen bis zu 30 Grad (und es ist erst April).

Mit meinen Freunden hier haben wir zum Abschluss nochmal zusammen selber Dumplings gemacht! Falls ihr euch über die Farben auf den Bildern wundert: Wir haben die Dumplings mit Obst und Gemüse gefärbt. Am besten klappt es mit pinker Drachenfrucht, Spinat, Kürbis und lila Süßkartoffen 😉

Übrigens gibt es keine chinesischen Selfies ohne Filter, hier einmal mit Katze:

Jetzt möchte ich euch noch kurz etwas über meine Arbeit bei PwC in China erzählen. Das PwC Office liegt direkt in der Mitte von Shanghai, im bekannten Stadtteil Xintiandi. Auf dem Bild seht ihr die Gebäude. Links ist das PwC Center (Assurance) und rechts der Infinitus Tower, in dem ich saß (Tax und Advisory). Dadurch dass die GBG eher eine kleine Gruppe ist kann man in alle Bereiche etwas hinein schnuppern. Ich war generell in dem Bereich Tax, konnte aber auch manchmal bei Advisory und Assurance unterstützen. Das hat die Aufgaben abwechslungsreicher gemacht. Die German Business Group in China ist quasi der Ansprechpartner für deutsche Firmen, die entweder auf dem chinesischen Markt bereits etabliert sind oder am Markteintritt interessiert sind. Die Mandate sind deshalb oft sehr unterschiedlich, was die Aufgaben der GBG vielfältig macht. Während meiner Zeit hier im Office konnte ich auch an vielen Mandanten-Calls teilnehmen oder durfte mit zu den Unternehmen vor Ort. Die Geschäfte hier laufen größtenteils auf Englisch, manchmal aber auch auf Deutsch, wenn keine chinesischen Kollegen involviert sind. Dadurch, dass die GBG im Rahmen der Außenhandelskammer sehr aktiv ist, konnte ich zudem an einigen Workshops und Events teilnehmen. Letzten Monat was auch das „Annual Corporate Tax Dinner“ von PwC. Es war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich solche Events in China ablaufen. Natürlich blinkt und glitzert alles, und statt vielen Reden wurde getanzt und Zaubertricks vorgeführt, um am Ende die „Gewinnerabteilung“ zu wählen. Es wird also nie langweilig!

Ich kann wirklich jedem von euch Shanghai als Praktikumsort nur ans Herz legen. Das Land hat landschaftlich so viel zu bieten, Shanghai gehört zu den pulsierendsten Städten der Welt und auch die German Business Group vor Ort ist super!

Hiermit auch nochmal ein großes Dankeschön an das ganze Team hier in China. Ob in Peking oder Shanghai, den Bereichen Tax, Assurance oder Advisory, ich konnte jederzeit auf die GBG zukommen. Sowohl fachlich als vor allem auch persönlich konnte ich sehr viel von den Kollegen hier mitnehmen und konnte die Zeit nutzen um mir Gedanken über meinen zukünftigen Karriereweg zu machen. Ich hoffe, dass man sich irgendwann mal wieder sieht, ob in Deutschland oder in Shanghai wird sich zeigen. 😉

Viele haben mich gefragt, wieso ich nach Shanghai bzw. China gegangen bin. Meine Antwort war meistens, dass ich die Chance nutzen wollte in einem Land zu arbeiten, das einfach „ganz anders“ ist. China gehört zu den größten Märkten der Welt und ist immer noch stark am Wachsen. Das Ganze macht China auch für mich zu einem der interessantesten Länder, wenn es um Business geht. Grade im Bereich Technologie sind die Chinesen uns sehr weit voraus, was auch das tägliche Leben beeinflusst. Hier wird nur noch mit WeChat (das chinesische WhatsApp) bezahlt, alles läuft über QR Codes und Bargeld wird quasi nur noch von mir benutzt. 😀 Zudem ist vor allem Shanghai sehr vielseitig und das Leben hier dreht sich „schneller“ als zuhause. Es gibt an jeder Ecke Neues zu entdecken. Hier leben die Leute noch in uralten kleinen Häusern, im Hintergrund ragen die höchsten Wolkenkratzer der Welt empor und man dreht sich einmal um und steht vor einer Tempelanlage. Im Gegensatz zu vielen Regionen im chinesischen Inland ist Shanghai sehr westlich geprägt, aber immer noch viel „chinesischer“ als bspw. Hongkong (was ich gar nicht zu China zählen würde). Ich glaube grade das hat Shanghai für mich interessant gemacht. Es ist eine Weltmetropole mit ca. 25 Millionen Einwohnern, in der du alles hast was du brauchst und trotzdem China pur erleben kannst. Auf jeden Fall stellt China auch eine Herausforderung dar, vor allem wenn es zu Themen wie Sprache und Kultur kommt. Meiner Meinung nach macht es das Ganze sogar noch interessanter.

Und zum Schluss noch einen kleinen Appell an alle, die überlegen an Stairway teilzunehmen:

Falls ihr euch noch nicht beworben habt: macht es in der nächsten Bewerbungsphase! Ich bezweifle, dass es ein besseres Programm als Stairway gibt, um ein Praktikum im Ausland zu machen. Die Organisation und Betreuung war super, man ist finanziell abgesichert, die Arbeit macht Spaß, man lebt in einer Weltmetropole und zudem hat man noch Zeit zum Reisen! Gibt es eine bessere Kombi?

Falls ihr euch schon beworben habt: Gute Entscheidung! Ich glaube die Zusagen für die nächste Runde (2017/2018) werden in nächster Zeit bekannt gegeben. Ich drücke euch die Daumen und wenn es Shanghai wird, könnt ihr euch natürlich jederzeit bei mir melden. Meine Liste für Tipps und Tricks in China ist mittlerweile ausgereift 😉

So, das war wohl mein erster und leider auch mein letzter Blog aus Shanghai. Abschließend lässt sich sagen, dass meine Zeit hier in China super war! Mein einziger Änderungswunsch wäre eine Verlängerung 😀 Die 3 Monate vergingen wie im Flug… aber natürlich freue ich mich auch schon auf Zuhause. 🙂

Ganz liebe Grüße aus China!

Eure Davina