Neuigkeiten aus der größten Stadt Chinas

22. März 2018

Ni hao aus Shanghai!

Ich melde mich wieder aus meinem Praktikum bei PwC Shanghai zu Wort! Die letzten Wochen sind wie im Flug vergangen und ich habe schon beinahe Halbzeit. Spätestens bei der Visumsverlängerung habe ich festgestellt, dass ich bereits einen ganzen Monat hier bin – wow! Die Stadt hat so viele Ecken und Orte, die abgeklappert werden möchten, und natürlich möchte man sich auch außerhalb von Shanghai aufhalten. Dazu kommt dann noch die Arbeit unter der Woche und schon ist der Terminplan voll.

Work…

Mittlerweile habe ich mich in die meisten Aufgabenbereiche gut eingearbeitet, sodass ich weniger häufig mit fragendem Gesicht vor einer Aufgabe sitze. Da man im Rahmen dieses Praktikums eher organisatorisch und verwaltend tätig ist, bringt mich mein Studienwissen bei vielen Aufgaben nur bedingt weiter. Es bleibt einem also nichts anderes übrig, als sich etwas tiefer mit den zugrundeliegenden Systemen auseinanderzusetzen. Vermutlich werde ich am Ende meines Praktikums ein großer Datenbankspezialist sein und vergessen haben, was diese IFRS eigentlich sind… 😉

Neues Aufgabenfeld

…So weit wird es zum Glück nicht kommen, da ich diese und  kommende Woche auf einem Prüfungsmandat eingesetzt werde, wobei es sich dabei um ein Joint Venture handelt. Hier sollen Unterschiede zwischen lokalen GAAP und HGB ermittelt werden. Hier komme ich ins Spiel. Da meine chinesischen Kollegen mit HGB verständlicherweise wenige Berührungspunkte haben, werde ich in der kommenden Woche den Abschluss im Hinblick auf Abweichungen zwischen HGB und Chinese-GAAP untersuchen.

Woher sie sich mit Chinese-GAAP auskennt fragt ihr euch jetzt? Das ist nicht allzu kompliziert. In China gibt es das „Old“ und das „New“ Chinese-GAAP, wobei das New Chinese GAAP in etwa den IFRS, nur etwas zeitversetzt, entspricht. Die Brücke zwischen Old und New Chinese GAAP können meine chinesischen Kollegen schlagen, sodass ich mich wieder auf bekanntem Terrain aufhalte: IFRS vs. HGB. Das Projekt hat erst gestern richtig gestartet, sodass ich noch nicht weiß, wie genau meine Aufgaben dort aussehen werden. Mehr davon also nächstes Mal!

Wäre das Dach durchsichtig, könnte ich bei der Shanghai Fashion Week zuschauen!

In meinem vorigen Beitrag habe ich ein Foto von einem See neben dem Bürogebäude hochgeladen. Was soll ich sagen –  der See ist irgendwie kurzerhand ausgetrocknet worden und nun verschwunden. Stattdessen stehen hier diese Zelte, denn die Shanghai Fashion Week findet Ende März/Anfang April genau neben den Büros von PwC statt! Vielleicht sehe ich auf dem Weg zum Lunch ja das ein oder andere Topmodel bei der Mittagspause an einem Salatblatt knabbern 😉

 

Von kleinen Alltagsaufgaben und einem Frühstück mit CFOs

Da das Dach nicht durchsichtig ist und ich so nicht den ganzen Tag damit verbringen kann, in das Zelt zu spähen und abzuwarten, ob ich berühmte Stars entdecken kann, widme ich mich doch lieber der Arbeit. Beispielsweise habe ich den deutschen Partner im Rahmen der Erstellung einiger Präsentationen und Auswertungen unterstützt und hier unter anderem die Arbeit und die Ergebnisse der German Business Group ausgewertet und so die wichtigsten Mandanten und Umsatztreiber identifiziert. Hier waren meine Excel-Kenntnisse gefragt, die wesentlich ausgeprägter sind als meine Kenntnisse von Datenbanken.

Am Dienstag fand zudem ein CFO Briefing für CFOs von chinesischen Tochterunternehmen mit deutschen Mutterunternehmen statt. Dieses wurde von unserer Abteilung organisiert und durchgeführt, während eine Kollegin von PwC Legal dem Vormittag einen fachlichen Rahmen gab. An diesem Vormittag hatte ich die Möglichkeit mitzubekommen, welche Herausforderungen und Chancen deutsche Unternehmen in China sehen. Da ein Großteil der CFOs zudem aus Deutschland kommt, war es spannend, mehr über kulturelle Unterschiede zwischen Führungsetagen chinesischer und deutscher Unternehmen zu erfahren. Und hey, wann hat man sonst schon als Praktikantin die Möglichkeit, sich mit CFOs verschiedener Unternehmen bei einem Kaffee und Frühstück über Urlaubspläne und Herausforderungen im Alltag in einem fremden Land auszutauschen?

… & Travel

Apropos Urlaubspläne: Shanghai ist zwar eine sehr spannende Stadt, aber das sollte einen nicht davon abhalten, auch die Umgebung zu erkunden. Bei meinem letzten Eintrag hab ich euch von meinem Ausflug in eine Wasserstadt erzählt. Dieses Mal geht es um ein Wochenende in Hangzhou, das ich gern primär in Bildern darstellen möchte. Hangzhou ist eine Stadt, die mit dem Schnellzug in circa einer Stunde erreichbar ist. Bekannt ist Hangzhou vor allem für seinen See, den West Lake:

Neben dem West Lake gibt es allerdings auch noch eine ganze Menge anderer Dinge zu entdecken. Da wir am Sonntag vormittag nur noch begrenzt Zeit hatten, haben wir uns für die Besichtigung des Gebietes Fei Lai Feng entschieden:

Alltag in China

Sprache

Vor meiner Reise nach China habe ich mir manchmal Gedanken gemacht, welche Probleme wohl im Alltag auf mich zukommen würden. Es ist das erste Mal, dass ich eine längere Zeit in einem Land verbringe, dessen Sprache ich gar nicht verstehe (und nicht mal Wörter ansatzweise lesen kann). Dazu kommt, dass ein Großteil der Bevölkerung kein Wort Englisch spricht. Auch in Shanghai, einer der internationalsten Städte Chinas, ist es verwunderlich, wie wenig Englisch gesprochen wird. Die Taxifahrer, der Typ, der mir meine Sim-Karte verkauft hat, Schalterpersonal, denen man erklären muss, dass man eine Transportation Card benötigt – keiner dieser Personen spricht Englisch. Auch Taxifahrer können Adressen nur in chinesischen Schriftzeichen lesen.

Nichtsdestotrotz ist es spannend, sich diesen Alltagssituationen zu stellen, auch wenn man manchmal in Richtung Toilette (Restroom) statt zum Restaurant verwiesen wird. Hilfreich ist hier die App Microsoft Translate, mit der man Fotos von einem chinesischem Text machen kann, der dann übersetzt wird. Als ich in der Wasserstadt war und einen Eistee bestellen wollte, hatte der Verkäufer bereits seine App gezückt und etwas reingesprochen, das dann ins Englische übersetzt wurde. Was ein nützlicher Einsatz von Technik!

Fahrräder

Ein weiterer Alltagsretter in Shanghai ist das Fahrrad. Als alter Münsteraner Student konnte ich es nicht auf mir sitzen lassen, die ganzen Fahrräder hier am Straßenrand stehen zu lassen. Stattdessen habe ich mich auf den Sattel geschwungen und fahre meist von der Arbeit nach Hause und vor allem nachts – wenn die Metro nicht mehr fährt – von Parties zurück ins Hotel. Anders als in Deutschland, gibt es in China fast keine Regeln zum Fahrrad fahren. 

Manchmal habe ich Glück und ergattere so ein Fahrrad mit höhenverstellembarem Sattel!

Fahrradfahrer sind hier für ihr Überleben selbst verantwortlich und müssen aufpassen, nicht den Elektrorollern, die lautlos von hinten angeschossen kommen, zum Opfer zu fallen. Bisher ist alles gut gegangen, was auch daran liegen dürfte, dass einige Roller sehr langsam sind und diese kurzerhand von mir überholt werden.

Übrigens kann man Fahrräder hier über verschiedene Apps nutzen: Eine halbe Stunde Radfahren kostet hier 1 RMB (ca. 12 Cent) und man muss lediglich den QR-Code eines Fahrrads, das zu seiner App (z. B. Mobike) gehört, scannen und schon geht das Schloss auf. Fahrräder stehen an jeder Ecke und man kann sie fast überall abstellen. Das heißt, man muss sich nicht morgens überlegen, wo man wann noch hinfährt und wie man die geliebte Fahrrad abends nach Hause bekommt.  Man kann übrigens auch sehen, wie viele Kilometer man gefahren ist und wie viele Kalorien dabei verbrannt wurden.
 

Essen

Über eine Sache habe ich hier noch kein Wort verloren: Essen. Nachdem ich gestern Magenprobleme von einem deutschen Braten bekommen habe, scheine ich mich wohl endgültig an das chinesische Essen gewöhnt zu haben. Künftig sollte ich wohl besser auf Streetfood ausweichen, um meinem Magen etwas Gutes zu tun. Einige kulinarische Eindrücke findet ihr hier:

Ich hoffe, ihr habt so einen noch etwas besseren Einblick in den Alltag in China erhalten. An diesem Wochenende werde ich einen Tagesausflug nach Suzhou machen, wovon ich nächstes Mal berichten werde. Anfang April sind jedoch erst einmal Feiertage, die ich nutzen werde, um mit Freunden nach Guilin in Südchina zu fliegen. Dort werden wir unter anderem eine Bootsfahrt auf dem Li River machen und die Reisterrassen besichtigen. Nächste Mal kann ich euch auch noch etwas von meinem Prüfungsmandat erzählen. Natürlich habe ich auch schon das Nachtleben Shanghais erkundet, was einige sehr interessante Erfahrungen waren. Dazu ist jetzt allerdings kein Platz mehr, sodass ich das auf nächstes Mal verschieben werde 🙂

 

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal,

Catarina