Farewell from London

22. Mai 2018

Ein halbes Jahr ist verflogen, mein Praktikum ist vorbei und ich bin zurück in Berlin. Da ich über die Zeit in London zugegebenermaßen nicht übermäßig schreibwütig war, werde ich nun versuchen, alle versprochenen Infos und meine wichtigsten Eindrücke in einem letzten Blogpost zusammenzufassen. Beginnen wir mit der Unterkunft.

Wie wohnt ein Stairway-Praktikant in London?

Die Kurzantwort (man entschuldige mir den stilistischen faux-pas): hammergeil! 6 min zum Tower of London, 10 min zur Tower Bridge, 3 min zum Monument of the Great Fire, 12 min zum Borough Market – was klingt wie der Ausgangspunkt für eine Stadtführung durch die City of London zu Fuß war tatsächlich für ein halbes Jahr mein Zuhause. Der einzige Nachteil: in der Gegend wohnt fast niemand. Es gibt hauptsächlich Büros, sodass sich die meisten umliegenden Restaurants bzgl. ihrer Öffnungszeiten an normalen Bürozeiten orientieren und entsprechend abends und am Wochenende geschlossen haben. Bei meiner Unterkunft handelte es sich um ein Serviced Apartment, also sehr ähnlich zu einem Hotel. Die kleine Zweizimmerwohnung war voll möbliert, hatte eine kleine, voll ausgestattete Küche mit Geschirrspüler, eine Waschmaschine, Klimaanlage und wurde einmal wöchentlich gereinigt. Geht es besser? Ich glaube kaum.

Die Londoner PwC-Offices

Drei Stück an der Zahl, allesamt super zentral gelegen.
Das größte Office ist jenes am Embankment Place – gegenüber vom London Eye und 5 min zu Fuß vom Trafalgar Square entfernt. Neun Stockwerke, riesengroß, mit zwei „Ecktürmen“, in denen sich Meetingräume mit einer grandiosen Aussicht über London befinden. In diesem Office war ich die meiste Zeit „stationiert“.
Das nächste Office befindet sich in More London, direkt neben dem Rathaus (der Form wegen auch „Motorradhelm“ genannt) und der Tower Bridge. Hier sitzen hauptsächlich die Kollegen aus dem Bereich Financial Services (Banken und Versicherungen).
Das dritte Londoner PwC-Office befindet sich in der Hay’s Galleria. Es ist das kleinste der drei Büros und da hier die Legal- und Tax-Kollegen arbeiten war ich nie dort.
In allen Offices gibt es hauptsächlich Open Space-Arbeitsplätze, wo die Schreibtische von Woche zu Woche neu gebucht werden müssen. Das hat den Vorteil, dass man innerhalb des Büros auch mal „herumkommt“ und auch andere Kollegen kennenlernt. Lediglich die Partner haben eigene Büros, die in deren Abwesenheit auch als Meetingräume dienen. Auf allen Etagen gibt es Breakout Areas mit Sitzgelegenheiten, Wasserspendern, sowie Kaffee- und Snackautomaten. Das Embankment Place-Office hat zudem noch eine ziemlich gute Kantine. Zwischen den beiden größeren Standorten gibt es zudem eine öffentliche Fährverbindung, für die PwC-Mitarbeiter werktags kostenlose Tickets erhalten können. So kann man den Trip zum Meeting im jeweils anderen Office gleich mit einer kostenlosen Sightseeing-Tour auf der Themse verbinden 😉
Prinzipiell ist es oft möglich, virtuell zu arbeiten – beispielsweise nach Absprache am Freitag von zu Hause. Ich persönlich fand es meistens dann doch angenehmer, das Team um sich herum zu haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aufgabenbereich

Wie in meinem letzten Post erwähnt, war ich in London Teil zweier Teams: Strategy & Transformation (S&T) und Emerging & Disruptive Technology (E&DT). Die Aufgabenbereiche dieser beiden Teams möchte ich euch gern erläutern und beispielhaft zwei Projekte vorstellen.

S&T hilft Kunden dabei, Risiken in ihren (Transformations-)Programmen zu identifizieren und basierend auf Good Practices entsprechende Handlungsempfehlungen zu erarbeiten. Das Spektrum reicht hier von der Strategiedefinition und -implementierung, über die Unterstützung bei Unternehmenszusammenschlüssen, bis hin zu Reviews von Projekten und Programmen. PwC fungiert hier quasi als „critical friend“, also als unabhängiger Berater, der die Situation des Kunden analysiert und Verbesserungspotenziale aufzeigt.

Beispielsweise habe ich am Review eines IT-Transformationsprogrammes mitgearbeitet. Das Programm befand sich in einer kritischen Phase kurz vor dem ersten (von mehreren) Rollouts. Durch ein Review der Projektdokumente (wie z.B. Projektbeschreibung, Business Case, Organigramme, Statusberichte …) verschaffte sich mein Team einen ersten Überblick über das Programm und stellte Arbeitshypothesen auf. Diese wurden anschließend in Interviews mit diversen Stakeholdern – von PMO bis zum CIO – und durch Hinzuziehen ergänzender Dokumentationen entweder bestätigt oder widerlegt. Wir konnten dem Kunden somit diejenigen Risiken aufzeigen, die den Projekterfolg akut gefährdeten und haben entsprechende Handlungsvorschläge abgeleitet, um diesen Risiken zu begegnen.

Das Team E&DT war zum Zeitpunkt meines Starts in London noch brandneu. Wie der Name schon vermuten lässt, arbeitet das Team mit neuen Technologien, wie beispielsweise Künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) und Robotic Process Automation (RPA). Diese beiden stellten während meines Praktikums auch eindeutig den Fokus dar. Im Bereich Technology Risk hat dies zwei Dimensionen.
Erstens – nach außen gerichtet – geht es darum, den Kunden dabei zu helfen, diese neuen Technologien möglichst risikoarm in ihren Organisationen einzusetzen. Das stellt häufig eine Schwierigkeit dar, da in der Regel ein Kompromiss eingegangen werden muss. Um die (häufig unbekannten) Risiken zu kontrollieren, versuchen Organisationen, den Einsatz der Technologien zu reglementieren. Leider kann dies die Innovationskraft sehr einschränken und sollte daher gut durchdacht sein.
Zweitens – mit internem Fokus – sucht das Team nach Anwendungsmöglichkeiten neuer Technologien für die internen Prozesse, um diese effizienter zu gestalten oder gar neue Dienstleistungen zu ermöglichen. Als Beispiel sei hier das automatisierte Testen von SOX-Controls durch RPA-Tools genannt.

Mein spannendstes Projekt in diesem Bereich war eines, bei dessen Umsetzung ich letztlich leider gar nicht mehr unterstützen konnte. Wir wurden beauftragt, bei der Validierung von AI- und Automatisierungsinitiativen zu unterstützen. Auch wenn ich London kurz vor dem eigentlichen Projektbeginn verlassen habe, waren die Angebotserstellung und die Vorbereitungsphase überaus spannend. Das Projekt lag thematisch genau in der Schnittmenge der beiden Teams, in denen ich gearbeitet habe und beschäftigte sich grob mit der Fragestellung: „was muss beim Aufsetzen und bei der Durchführung eines AI-/Automatisierungsprogrammes beachtet werden, um die strategischen Ziele zu erfüllen?“.

Fazit

Zum Abschluss möchte ich mich bei meinen Kollegen bedanken, die mir immer mit ihrem Rat zur Seite standen. Ich weiß die Unterstützung, die ich während meiner Zeit in London erhalten habe, und die Verantwortung, die mir übertragen wurde, sehr zu schätzen. Es war mir eine Freude, mit solch hochmotivierten und kompetenten Kollegen zu arbeiten, die sich zudem immer die Zeit genommen haben, jegliche Fragen zu beantworten und ihr Wissen zu teilen. Ich stehe weiterhin mit den Kollegen im Kontakt und bin gespannt, wie sich Emerging and Disruptive Technology Risk in den kommenden Monaten entwickeln wird.

Ob ich das Stairway-Programm weiterempfehlen würde? Uneingeschränkt! Es war für mich wirklich eine Opportunity of a Lifetime!