Bonjour à tous!

7. Januar 2020

vieeel zu spät melde ich mich nun zum zweiten Mal aus Paris. Mittlerweile ist schon die Hälfte des Praktikums vergangen und es ist wirklich viel passiert. Die Zeit fliegt!

Zunächst wie versprochen ein Bericht vom Oktoberfest in Paris:

Es war wirklich sehr lustig dort und ein tolles Erlebnis. In einer großen Eventhalle – etwas am Rand von Paris – wurde ein Festzelt aufgebaut, in dem tatsächlich bierzeltmäßige Stimmung herrschte. Die Franzosen haben sich darin sehr amüsiert, auf den Bänken getanzt und gesungen, Bier getrunken und bayerisches Essen konsumiert. Einige waren als Bayer verkleidet oder trugen sogar echte Tracht. Wir selbstverständlich auch :). Doch jeder, der schon einmal auf dem Oktoberfest war, weiß, dass die Feier hier dem Original nicht wirklich entspricht. Allerdings hat sie ebenfalls ihren Charme. Neben einer Badenwürttemberger Band trat mehrmals eine eindrucksvolle Tanztruppe auf, die die Menge mit Ballett, einer Mischung aus Gardetanz und einem Tanz, der in irgendeiner Form dem Schuhplatteln ähnelte, französischem Cancan, einem Dirtydancing-Solo, YMCA und Discotanzen unterhielt. Wie die Menge dabei abging, war unglaublich mitreißend. Natürlich durfte die Polonaise nicht fehlen, die, wie ich festgestellt habe, selbst in Clubs stattfindet! Am Ende wurde sogar noch ein DJ-Pult aufgebaut und eine DJin legte Electro auf. Alles in allem wirklich ein absolut gelungener Abend.

Im weiteren Blogeintrag möchte ich euch ansonsten vor allem von meiner Arbeit und einigen Freizeitaktivitäten berichten.

Einsatzorte und Aufgabenbereiche

Wie in der Prüfung halt so üblich, sind die Teams während der Busy Season selten im Büro und ich darf das Prüfungsteam zu sämtlichen Kunden begleiten und vor Ort unterstützen. Dadurch ändert sich mein Arbeitsweg fast wöchentlich. Ich konnte schon einige verschiedene Branchen kennenlernen. Vor einigen Wochen war ich bei der Planningphase einer Erstprüfung vor Ort und durfte an sämtlichen Meetings über die internen Prozesse teilnehmen. Ein Verständnis darüber ist wichtig, um so später die Risiken einschätzen zu können. Das war für mich ein völlig neuer Bereich, da Praktikanten (und so auch meine Erfahrungen in meinem ersten Praktikum bei PwC in München) meistens in der Hauptprüfung dabei sind und nicht bei den Plannings. Sehr interessant war es deshalb, auch diesen Teil der Prüfung zu sehen. Beim nächsten Mandat hatte ich dann meinen eigenen Verantwortungsbereich, zu dem ich regelmäßig Bericht erstatten sollte und meine Fragen direkt, oft alleine mit dem Kunden klären konnte. Ich durfte sogar selbstständig ein kleines Meeting leiten, was für mich eine große Herausforderung darstellte, mir aber extrem Spaß gemacht hat. Das ganze natürlich komplett auf Französisch. Hierzu eine kleine Anmerkung: ohne gute Französischkenntnisse halte ich dieses Praktikum für nahezu unmöglich, da die Arbeitssprache fast ausschließlich Französisch ist. Insgesamt sind meine Mandate sehr vielfältig und auch die Teams wechseln. Mal arbeite ich in einem komplett französischen Team, mal sind Deutsche dabei. Vor allem wenn nur Franzosen um mich herum sind, merke ich, dass ich schon deutliche Fortschritte in der Sprache gemacht habe. Allerdings hilft es, dass die meisten Franzosen in der German Business Group ganz gut deutsch verstehen, wobei hier nur mal mit Vokabeln ausgeholfen wird. Franzosen sprechen doch lieber französisch.

Ab und zu bin ich auch im Büro. Es liegt etwas am Rand von Paris direkt neben dem Crystal Park. Man kann dort in den Pausen spazieren gehen oder draußen Kaffee trinken. Im Sommer muss das wirklich herrlich sein. Auch jahreszeitenspezifisch ist einiges geboten. An Halloween gab es ein Gruselkabinett im Erdgeschoss beim Empfang, in das man hineingehen konnte und an Weihnachten war jedes Stockwerk leuchtend geschmückt. Auch werden immer wieder Karaoke oder diverse andere Aktivitäten beim Empfang angeboten. Als ich das zum ersten Mal sah, war ich leicht verwundert, aber eigentlich finde ich es eine nette Idee die Arbeit mit etwas Abwechslung und Spaß zu verbinden. Es gibt zum Beispiel auch einen Fitnessraum, für den man ein günstiges Abo abschließen kann.

Was mir in Frankreich vor allem auffällt ist, dass Essen hier einen extrem hohen Stellenwert einnimmt, was sich selbst in den Kantinen widerspiegelt. Dort bekommt man nicht eine kleine Auswahl an Salaten und vielleicht ein paar Hauptgerichte, sondern eine Riesenauswahl an verschiedensten Gerichten für mehrere Gänge. So wird dann auch Mittag gegessen: Vorspeise, Hauptspeise, Käse und Dessert. Es gibt undenkbar viele französische Vorspeisen, deren Namen ich gar nicht alle kenne. Als Dessert dürfen Crème Brûlée, Mousse au Chocolat, Eclairs oder Tartelettes nicht fehlen. Das ist mit den deutschen Kantinen, die man aus der Schule oder aus Büros kennt, wirklich nicht zu vergleichen. Es gibt wichtige Verhaltensregeln beim Essen, die überall und zu jeder Zeit eingehalten werden. Man nimmt sich für die Mahlzeiten mittags und vor allem abends viel Zeit. Bevor nicht jeder mit seinem Essen am Tisch sitzt, rührt keiner das Besteck an. Zuhause in Deutschland wartet man schon auch, bis jeder etwas hat. Nur wenn es bei einem dann länger dauert, sagt der meistens, dass alle schon mal anfangen sollen, bevor das Essen kalt wird. Hier in Frankreich undenkbar! Lustig fand ich vor allem, als einmal ein Teammitglied Käse nach dem Hauptgang haben wollte und ein anderes lieber nicht. Als ich dann ein Dessert bestellte, wurde ich von allen Seiten ziemlich entrüstet angeschaut, weil man doch nieeemals Gänge mischen würde!! Ein Unding, dass ich jetzt schon Dessert bestellte 😀 Das ginge nun wirklich nicht, dass jemand Käse esse und daneben das Mousse au Chocolat stehe! Mir wurde allmählich klar, dass es beim Essen strenge Verhaltensregeln gibt, denen man folgen muss, die jeder kennt und die selbst von ganz jungen Leuten eingehalten werden. So extrem kenne ich das aus Deutschland tatsächlich nicht. Langsamer und genüsslicher isst man in Frankreich auf jeden Fall und das würde glaube ich vielen Leuten zuhause auch guttun.

Ein paar Beispiele aus meiner Freizeit

In meiner Freizeit schaue ich mir viel von Paris an, denn die Wochenenden sind arbeitsfrei und so gehe ich in Museen, in Parks, zu Sehenswürdigkeiten oder laufe einfach nur durch die Straßen. Manchmal gönne ich mir auch ruhigere Tage, denn da in der Regel immer viel los ist in der Stadt und in der Arbeit, tut ein bisschen Runterkommen und Faulsein auch sehr gut.

Hier war ich im Centre George Pompidou. Die moderne Kunst ist sehr interessant und der Ausblick von oben wirklich atemraubend. Da lohnt sich immer ein Besuch!

Dort gibt es ein Restaurant, in dem man zusätzlich zu besten Speisen für nur wenig mehr Geld die Aussicht und abends das Glitzern des Eiffelturms genießen kann.

Eins meiner Lieblingsmuseen ist das Musée d’Orsay. Die Bilder und Skulpturen dort haben mir besonders gut gefallen und das Gebäude (ein ehemaliger Bahnhof) ist unglaublich schön.

Zweimal war ich schon in der Galarie Lafayette. Dort sind die Preise zwar etwas höher und es sind immer viele Leute da, aber auch hier hat man einen unglaublich schönen Ausblick vom Dach aus. Wirklich ein guter Tipp dort hinzugehen, wenn man in Paris ist. Die Stockwerke unter der Kuppel sind auch sehr sehenswert. Hier seht ihr die Galarie Lafayette einmal ohne Weihnachtsschmuck und dann noch einmal mit.

   

Paris bietet einfach so unglaublich viel. Da reichen die Wochenenden in den 6 Monaten natürlich gar nicht aus, um alles zu sehen. Besonders genieße ich  trotzdem das stressfreie Erkunden der Stadt. Da man weiß, dass man mehrere Monate Zeit hat, geht man viel ruhiger an alles ran und hat keinen strengen Zeitplan um Paris zum Beispiel in 5 Tagen gesehen zu haben. Das ist wirklich viel wert.

In den nächsten Wochen beginnt die echte Busy Season in Frankreich und ich werde sicherlich allerhand zu tun haben. Bin gespannt, aber habe auch etwas Respekt davor. Vor allem der Streik ist ein großes Hindernis, das nun schon seit dem 5. Dezember besteht und manchmal wirklich nervt. Mal sehen wie sich das demnächst noch entwickeln wird.

Ich werde euch berichten 😉