Busy Season und Coronakrise in Paris

2. April 2020

Eigentlich wollte ich den nächsten Blogeintrag hauptsächlich über das Arbeitsleben und die Busy Season schreiben. Da nun aber die aktuellen Entwicklungen und das Thema Corona auch hier in Paris extreme Auswirkungen haben, muss das natürlich auch berichtet werden.

Zunächst erst einmal kurz meine Erlebnisse vor Corona: Die Busy Season ist ab Januar voll im Gange und man merkt sehr rasch, was genau das heißt: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Die meisten Unternehmen haben das Ende ihres Geschäftsjahres am 31.12. und somit müssen ihre Abschlüsse Anfang des Jahres geprüft werden. Da viele Tochterunternehmen an den Konzern berichten müssen, gibt es Deadlines. Dadurch kann man sich ja gut vorstellen, wie viel Arbeit anfällt. Manchmal wäre es gut mehr als zwei Hände zu haben, denn manchmal muss man Dinge praktisch gleichzeitig erledigen und gleich an mehreren Mandaten arbeiten. Auch im Februar und März bleibt das so und der Rückgang der Arbeitsmenge wird wohl (unter normalen Umständen) erst im April zu sehen sein. Warum unter normalen Umständen? Corona hat natürlich auch im Audit extreme Auswirkungen und „normal“ gibt es eigentlich nicht mehr. Aber hierzu später.

Ich war im Januar auf einem sehr interessanten Projekt gebucht, bei dem ich schon in der Vorprüfung im November dabei sein durfte. Dadurch kannte ich das Unternehmen schon etwas besser und konnte jetzt noch effektiver mitarbeiten. Jedes Teammitglied hatte selbstverantwortlich die eigenen Risiken zu prüfen, die erforderlichen Dokumente vom Kunden einzuholen, Stichproben zu ziehen oder aufkommende Fragen zu klären. Mir macht es vor allem Spaß, wenn ich eigenständig arbeiten kann und das konnte ich dort voll ausleben. Die erfahreneren Teammitglieder standen mir jedoch zum Glück wirklich zu jeder Zeit bei und beantworteten mir alle meine Fragen. Es ist wirklich schön, dass wir Praktikanten vollwertige Teammitglieder sind und genauso behandelt werden, wie die Leute im ersten Jahr (Junior 1). Das finde ich besonders gut an dem Praktikum, weil man so tatsächlich genau den Arbeitsalltag erlebt und sich nicht wie jemand fühlt, der nur als Aushilfe für lästige Arbeiten betrachtet wird.

So verflogen die Wochen! Von der Busy Season kann ich einfach nur von sehr, sehr viel Arbeit erzählen. Das ist bestimmt nichts für jeden, da unter der Woche die Freizeit tatsächlich etwas auf der Strecke bleibt. Jeder arbeitet im Moment bis an seine Grenzen. Man hat seit Januar eigentlich nie Pause, da nach Abschluss eines Projektes direkt das nächste kommt. Allerdings vergeht die Zeit wie im Flug. Kaum ist Montag, klopft schon wieder der Freitag an die Tür.

Im Februar war ich noch einmal auf einem Mandat, das weiter weg war von Paris: bei Le Havre. Das ist ein sehr süßes Städtchen, in das auch viele Urlauber kommen. Wir schliefen wieder im Hotel und blieben eine Woche. Diesmal war das Projekt abgesehen von mir ausschließlich mit Franzosen besetzt. Dadurch lernte ich auch einmal die Arbeitsweise außerhalb des German Desks kennen, was genauso interessant war. Besonders stolz bin ich hier auf meine Sprachfortschritte, die unweigerlich stattfanden.

Ein paar Ausflüge konnte ich zum Glück auch noch machen.

Schloss Versailles (vom Garten aus)

Spiegelsaal im Schloss Versailles

Die riesige Gartenanlage von Schloss Versailles

Besuch meiner Schwester und Ausflug über die Champs-Elysées

Ausblick vom Arc de Triomphe nach La Defense

Seitdem hat sich dann aber tatsächlich und ziemlich plötzlich viel geändert. Anfangs (also so Februar) hörte man von Corona und wir wurden darauf aufmerksam gemacht, dass bereits Fälle in Europa auftraten. Nur in Paris hat das keinen so wirklich interessiert. Wir gingen weiterhin zu den Kunden und verhielten uns ganz normal. Erst Anfang März, als die Lage dann in Deutschland immer angespannter wurde, hörte man auch in Paris von den ersten Fällen. Doch ich kann nur berichten, dass die Franzosen das alles extrem gelassen nahmen. Aus Deutschland hörte ich von Hamsterkäufen und extrem angespannter Stimmung. In Paris lachten sowohl Kollegen, Kunden als auch private Kontakte mehr oder weniger darüber. Jeder belächelte die Situation und mir wurde erzählt, es sei nicht sehr französisch, vor einem Virus oder einer Pandemie Angst zu haben. Umso überraschender kam dann die Entscheidung von Macron, noch vor Deutschland die Schulen zu schließen, da doch die allgemeine Bevölkerung den Ernst der Lage noch immer nicht sah. In dieser Woche passierte im Hinblick auf Corona einfach so unglaublich viel in der ganzen Welt. Montag durfte noch jeder alles und man war (zumindest in Paris) noch äußerst entspannt, und Freitag waren die Schulen geschlossen und man wurde vom Arbeitgeber angehalten, wenn möglich nur noch Homeoffice zu machen und sämtliche Meetings und Kundengespräche wurden abgesagt. An diesem Freitag kam auch die Nachricht für uns Stairwaypraktikanten: Wir müssen umgehend nach Deutschland zurück. Das hieß innerhalb von 1-2 Tagen packen, Wohnung leer räumen, keine Möglichkeit sich von Kollegen oder Freunden zu verabschieden, keine Rückkehr.

Ich buchte meinen Zug dann direkt für Sonntag. Spätestens an diesem Tag wurde mir bewusst, wie gut die Entscheidung des Stairwayteams war. Grenzen ab Montag zu, Zugverkehr wird größtenteils eingestellt, Ausgangssperre in Frankreich. Gerade noch rechtzeitig kam ich in Deutschland bei meiner Familie an. Ganz ehrlich, ich bin unheimlich dankbar für die Weitsicht und den Mut zu dieser Entscheidung!

         

Bilder meines Abschiedsspaziergangs an der Seine

Unsere Auslandszeit ist zwar vorbei, was natürlich extrem schade ist, aber das Praktikum darf ich noch zu Ende machen. Ich konnte mein Arbeitsequipment mitnehmen und arbeite im Moment vom Homeoffice in Deutschland aus weiter. Da hat die Wirtschaftsprüfung und -beratung einen sehr großen Vorteil. Man kann relativ einfach – ohne große Einbußen – von zu Hause aus arbeiten. Schwierigkeiten ergeben sich höchstens dadurch, dass auch der Kunde meist Homeoffice macht und alle Dokumente, die sich in der Firma befinden oder nicht elektronisch verfügbar sind, Probleme darstellen. So müssen natürlich Deadlines verschoben werden. Auch ist das Coaching von der Ferne aus etwas komplizierter. Alles in allem kann man aber sagen, dass die Infrastruktur bei PwC für solche Situationen extrem gut ausgebaut ist und man solche Vorteile nun sehr zu spüren bekommt. Das flexible Arbeiten, gerade für Kollegen mit Kindern ist garantiert und jeder kann im Grunde seinen Aufgaben gerecht werden. Spannend wird nun, inwiefern sich die Arbeitsinhalte ändern, da Corona natürlich direkt Risiken in der Prüfung beeinflusst und man ein weiteres Risikofeld beim Kunden prüfen und abdecken muss. Schade, dass ich das nicht mehr direkt mitbekommen werde.

So viel nun erst einmal als Update. Ich bin sehr gespannt wie sich das alles weiter entwickeln wird. Ich bin nun wirklich fast am Ende des Praktikums und möchte euch gerne noch ein paar Dinge „Vor Corona“ erzählen. Auch ein abschließendes Fazit darf natürlich nicht fehlen. Dafür melde ich mich in den nächsten Wochen noch einmal zurück. Bis dahin: bleibt gesund.